Elbe 5 Lotsenschoner – skandalöser BSU Zwischenbericht – Update

Während in dem o.a. Video deutlich zu sehen ist, dass die Kollision auf einer Verwechselung von Backbord und Steuerbord beruht, schreibt die BSU in ihrem Zwischenbericht:

Der Segler hatte gerade eine Wende vollzogen, um nach Hamburg zurück zu fahren, als sich zwei Segel losrissen. Während die Besatzung damit beschäftigt war, diese Segel unter Kontrolle zu bekommen, wurde es versäumt, die Fahrwasserseite der eigenen Fahrtrichtung entsprechend zu wechseln. So fuhr Nr. 5 ELBE erst knapp an der ihrentgegenkommenden HANNA vorbei und kollidierte dann mit der ASTROSPRINTER.

https://www.bsu-bund.de/SharedDocs/pdf/DE/Unfallberichte/2020/Untersuchungszwischenbericht_211_19.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Damit wird man der Wahrheit leider nicht gerecht, denn statt der Astrosprinter auszuweichen – „Hart Backbord“ –  legte man das Ruder in die entgegengesetzte Richtung  und fuhr der Astrosprinter direkt vor den Bug.

Statt vorher ein paar Grad nach Backbord abzufallen betätigte das verantwortliche Besatzungsmitglied (mit blauer BaseCap)  – zu einem Zeitpunkt als es viel zu spät bzw. sinnlos war, wiederholt das Signalhorn. ruft dann „Hart Backbord“ und drückt zusammen mit ein paar Mitseglern die Pinne in die falsche Richtung.

Dem Betreiber des Schiffes, der das Leben der Fahrgäste einem über 80-Jährigen und offenbar ungeeigneten Besatzungsmitgliedern anvertraute, sollte schnellstens die Lizenz entzogen werden.

Update 29.08.2020

Die Geschichte mit den losgerissenen Vorsegeln kann nur die halbe Wahrheit  sein.  Es sollen 14 Besatzungsmitglieder an Bord gewesen sein.  Ich interpretiere das Video folgendermassen:

Zu sehen ist nur der „Rudergänger“ wie er von vorn nach achtern rennt, um wieder das Ruder zu übernehmen.

Vorn ist noch ein weiteres Besatzungsmiglied zu sehen, welches Leinen aufschiesst und aufräumt.

Wären weitere Besatzungsmitglieder an Deck gewesen, hätte der „Rudergänger“ seinen Posten am Ruder gar nicht verlassen müssen bzw. dürfen.

Ich vermute daher, bzw. gehe davon aus, dass der Grossteil der Besatzung sich gar nicht an Deck befand sondern unter Deck möglicherweise eine Mahlzeit einnahm, als die No. 5 Elbe verunglückte.  Oder gab es unter Deck Kaffee und Kuchen als die wenigen an Deck befindlichen Besatzungsmitglieder Unterstützung gebraucht hätten ?

Ich glaube also nicht, was im Zwischenbericht steht !!!

 

Update:

Der endgültige BSU-Bericht soll noch im August 2020 veröffentlicht werden.

Ich fürchte, dass die BSU den Unglücksfall wieder zu sehr aus dem Blickwinkel eines Handelsschiffskapitäns beurteilt, d.h. gar nicht versteht, dass ein gegen den Wind „kreuzendes“ Schiff gar nicht auf der rechten Fahrwasserseite segeln kann, wie es in dem Zwischenbericht gefordert wurde.


In dem folgenden Video sehen wir eine Tagestour auf der Elbe, die 2014 stattfand und der Unglückstour sehr ähnelt.

Man könnte durchaus zu der Auffassung gelangen, dass auf einer der meistbefahrenen Wasserstrassen, die von riesigen, schnellen Containerschiffen dominiert wird, kein Platz mehr für einen gegen den Wind kreuzenden Traditionssegler ist.

Das Kreuzen gegen den Wind sollte man mit schwerfälligen Traditionsschiffen wie der Elbe No. 5 auf der stark befahrenen Elbe tunlichst unterlassen.

Lotsenschoner Elbe 5

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21.06.2014

Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, dass es auf der Elbe mitunter sehr eng werden kann.  Mir begegnete bsw. die COLOMBO EXPRESS, damal das grösste Containerschiff mit 335m Länge, einer Breite von 42,8 m, einer Höhe von 60,5 m und einem Tiefgang von max. 14,6 m.

Bis zu 25 kn (46,3 km/h sind diese Schiffe schnell.  Das Fahrwasser verläuft mitunter sehr nah am Ufer, so dass wenig Platz zum ausweichen bleibt. Mit dem Finn-Dinghy hatte man gerade noch genug Platz. Mit dem schwerfälligen Lotsenschoner hätte es grosse Probleme geben können.

P.S.  Meine erste Fahrt auf der Elbe fand Anfang der 60er Jahre von Brunsbüttelkoog nach Otterndorf statt.  Es folgten diverse Fahrten von der Nordsee aus nach Brunsbüttelkoog und diverse Fahrten mit Yachten unterschiedlicher Grösse in umgekehrter Richtung.

Mit dem Finn wurde die Elbe von Grünendeich und Neuenschleuse aus befahren. Auch von Altengamme aus in Richtung Geesthacht und von Blankenese aus das Mühlenberger Loch.
Schon als Schüler habe ich die Emsmündung bis zum Abwinken Richtung Delfzijl, Borkum, Helgoland, Holland, Limfjord, Kopenhagen etc. befahren. Ich weiss also, wie es auf Tidengewässern wie der Elbe zugeht.

Hier segeln wir vom Lühesand zum Hanskalbsand.  Auf der anderen Elbseite – wenige Kabellängen elbabwärts – rammte die Elbe 5 das 141 m lange Containersschiff (Feederschip) Astrosprinter, deren Geschwindigkeit mit 18 kn angegeben ist.

Zwischen Lühesand und Blankenese begegnete uns die Columbo Express, damals wohl das weltgrösste Containerschiff.

Siehe auch:  No. 5 Elbe – mangelhafter BSU Untersuchungsbericht veröffentlicht – Update

 

 

 

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