Parametric Fast Hull mit konkavem Heckbereich

Parametric Fast Hull

Ein mit pfh-Rumpf ausgestattetes Lotsenversetzboot

Fast alle Gleitrümpfe arbeiten nach dem Prinzip der angestellten Platte. Der Boden eines Schiffes wird der Strömung schräg entgegengestellt. Dadurch entsteht ein dynamischer Auftrieb, aber auch ein induzierter Widerstand und ein Sog, der dem Auftrieb entgegenwirkt. Durch eine Wölbung des Bodens lassen sich die negativen Wirkungen stark reduzieren. Diesem Prinzip folgt der Parametric Fast Hull. Seine Bodenform wird über wenige Parameter beschrieben, die von gewünschter Geschwindigkeit, Verdrängung und dem Längen-Breitenverhältnis abhängen. Das Fahrverhalten der Boote mit dieser Rumpfform ist deutlich anders als von konventionellen Formen. Das Schiff trimmt kaum und wird vorne durch die Bugwelle und hinten durch die konkave Bodenform angehoben. Damit verbunden ist eine sehr geringe Wellenbildung und ein wegen des kleinen Trimms sehr günstiges Seegangsverhalten.

 

Die Eignung der Rumpfform hängt von der Länge und der Geschwindigkeit eines Schiffes ab. Er ist geeignet für Froudesche Zahlen von 0,6 bis 1,3, was z. B. Schiffen mit einer Länge von 10 m und Geschwindigkeiten von 13 bis 25 Knoten oder 30 m Länge und 20 bis 43 Knoten entspricht. Einsatzmöglichkeiten sind daher Yachten, Lotsenboote, Patrouillenboote etc. Der Rumpf ist jedoch nicht für sehr hohe Geschwindigkeiten (etwa für Rennboote) geeignet, da die Wölbung im Heck das Boot zunehmend nach vorne trimmt. Dadurch würde die vom Wasser benetzte Oberfläche des Rumpfes größer und die Vorteile des Rumpfes schrumpfen.

 

Erfahrungen mit gebauten Booten haben gezeigt, dass sich der Parametric Fast Hull auch positiv auf Manövriereigenschaften und Rollverhalten auswirkt und nur eine minimale Wellenbildung verursacht. Die Leistungsersparnis gegenüber konventionellen Rumpfformen beträgt 20 bis 50 Prozent je nach Qualität der Vergleichsform. So kann bei einem 33 Knoten schnellen Patrouillenboot mit 170 t Verdrängung und 3 × 1000 kW Antriebsleistung bei Verwendung des pfh-Rumpfes auf eine der drei Antriebsanlagen verzichtet werden.[1][2]

Quelle: Wikipedia

Kommentar:

Es ist einleuchtend, dass ein konkaver, d.h. hohler Heckbereich für Auftrieb sorgt und ein Boot schneller machen kann.

Im Bereich der deutschen Finnsegler ist die Kenntnis hydrodynamischer Zusammenhänge eher selten anzutreffen. Es ist jedoch bekannt, dass zur Zeit der Holzfinns viel geschliffen und gehobelt wurde, um das Finn durch hohle Linien im Heckbereich schneller zu machen.

Hubert Raudaschl, der ja Holzfinns produzierte bzw. produzieren liess, bestätigte mir gegenüber, dass man sich damals bemühte, die Finn-Linien im Heckbereich innerhalb der Vermessungstoleranzen zu optimieren.

Dr. Egbert Vincke berichtete über die Vermessungsprozedur unter dem strengen Vernon Foster vor dem Goldcup 1969:

Angesetzt für die Vermessung waren drei Tage unter der altbewährten und gefürchteten Leitung des Engländers Vernon Forster. So ging jeder der Ver ­messung mit gemischten Gefühlen entgegen und harrte der Entscheidung, ob er nur ein 10-qm-Segelboot oder ein Finn-Dinghi besaß bzw. ob sich ersteres entsprechend verwandeln ließe. An meinem Boot gab es vier uner ­hebliche Beanstandungen – es gab aber Segler, die ihr Deck abnehmen mußten, deren Schwerter geschweißt wurden; da wurde an Masten, Groß ­bäumen und Rümpfen gehobelt, gesägt und Kunststoffschichten aufgelegt; krumme Spieren begradigte man mit über Nacht angehängten Steinen. Uber ­haupt scheint zu einer fortschrittlichen Finn-Ausrüstung neben Hobel und Werkzeug eine Schleifmaschine, Glasmatten mit Leim, ein Schweißgerät, ein Segelmacher und ein erfahrener Bootsbauer zu gehören. Nach vier Tagen war die Prozedur beendet und 135 Seglern wurde bescheinigt, daß ihr Schiff einem Finn-Dinghi entsprach.

Finn Bermuda Gold Cup – vor 50 Jahren – Fotos und Bericht v. Dr. Egbert Vincke

Manfred Pech schrieb im Yacht-Forum

Mulden in Bootsböden sind aber nicht neu. Robert Brown, 1984 und 1984 Weltmeister im 18 Footer ließ sich von dem niederländischen Hydrodynamiker Prof. Dr. Peter van Oossanen nach erfolgreichen Tests im Schlepptank einen Rumpf mit einer Mulde im Heckbereich entwickeln, wobei die „gemäßigt konkave Unterwasserform“ ähnlich wirkt wie eine „Trimmklappe unter einem Motorboot,…der Rumpf läuft weniger steil durch das Wasser. Das bringt einen verringerten Rumpfwiderstand und damit mehr Geschwindigkeit.“ So stand es in der „Yacht“, 198?, ??, S. 184. Ich habe leider nur noch die eine Seite.
Die Mulde wirkte so gut, dass vorne Auftriebshilfen (ähnlich Sprayrails) angebaut werden mussten, die allzu heftiges Eintauchen mildern sollten.

https://forum.yacht.de/archive/index.php/t-140091.html

 

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